Freitag, 5. Juni 2015

Wie plane und schreibe ich Trilogien, Mehrteiler und Serien?



 
Das Gesetz der Serie: Teil 1

 
Warum nur ein einziges Buch schreiben? Warum nicht gleich eine Trilogie?

Es gibt viele gute Gründe, nicht bloß einen einzelnen Roman zu schreiben, sondern gleich eine Serie. Serien sind wieder in Mode. Während noch vor ein paar Jahren Trilogien, Mehrteiler und Serien von Debutautoren nicht gerne verlegt wurden, sind sie jetzt wieder auf dem Vormarsch. Warum? Ein Mehrteiler ist für den Verlag immer ein finanzielles Risiko. Wenn der erste Band sich nicht gut verkauft, wird es schwer, die vertraglich zugesicherten weiteren Bände bei Buchhändlern unterzubringen. So manche vom Autor auf mehrere Bände geplante Trilogie wurde vom Verlag gestoppt und die geplanten Folgebände nie geschrieben. Frustrierend für Leser und Autoren.
Mit Aufkommen des Ebooks erleben Mehrteiler wieder eine Renaissance: digitale Ausgaben sind weniger risikobehaftet für den Verlag und Leser wünschen sich Ebooks eher in kürzerer Form zum Lesen auf dem Tablet oder Smartphone. Ideal für Serien mit kurzen episodenhaften Bänden. Auch im Fernsehen erleben Serien einen Aufschwung und eine nie gekannte Qualität. Man denke nur an so aufwändige Produktionen wie „Game of Thrones“ oder so brilliant geschriebene Serien wie „Breaking Bad“, „Lost“ oder „The Sopranos“, die neue Maßstäbe setzen.
Serien machen Sinn, denn einmal etabliert bringen sie eine eingebaute Fangemeinschaft mit, die weitere Folgen kaufen wird: Serien haben treue Fans und können geradezu süchtig machen. Ein einzelner Band als Neuerscheinung in einer Ebookreihe bringt Aufmerksamkeit für alle Bücher in der Reihe und führt zu weiteren Käufen. Indie-Autoren haben es für sich festgestellt: die beste Werbung für ein Buch ist ein weiteres Buch.
Erst Recht, wenn es ein Buch in einer Serie ist.

Leser, die einmal mit einer Serie begonnen haben, werden in den meisten Fällen auch alle weiteren Bände kaufen, selbst wenn ein Band einmal nicht so gut sein sollte wie seine Vorgänger, denn der Leser hat emotional bereits in die Serie investiert und interessiert sich oder identifiziert sich mit den Charakteren und will wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Während ein Einzel-Roman, der nicht gefällt, dazu führen kann, dass der Leser diesen Autor ganz fallen lässt.
Langzeitserien haben den Effekt, dass die Charaktere für den Leser wie Freunde oder Familie werden -  sie haben einfach so viel Zeit mit den Figuren verbracht und sie lieben gelernt, dass sie sie nicht gehen lassen wollen und mehr verlangen. Dieser Wunsch nach mehr führt dann oft zu Sequels,Prequels, Interquels und Trilogien, sowohl bei Romanen als auch bei Filmen.
Man denke nur an die berühmte Figur des Sherlock Homes, bei der die Leser einfach nicht akzeptieren wollten, dass der berühmte Detektiv in den Reichenbachfällen gestorben sein sollte. Die Trauer um die fiktive Figur war so groß, dass Fans in London schwarze Trauerbänder um ihren Oberarm oder schwarze Krawatten trugen und das Magazin „The Strand“, in dem die Geschichten veröffentlicht wurden, verlor 20.000 Abonnenten.  Der Autor, Sir Arthur Conan Doyle, ließ unter dem Druck und dem großen finanziellen Anreiz seine Figur schließlich wieder auferstehen.

„A test of a good novel is dreading the last chapter“ – Thomas Helm

Serien und Mehrteiler geben dem Leser das Versprechen, das nach dem letzten Kapitel nicht Schluss sein muss, dass die Abenteuer dieser Figuren weitergehen. Dass der Leser noch mehr Zeit mit ihnen verbringen darf.

Das ist ein Versprechen an den Leser und gleichzeitig eine Bürde für den Autor. Serien und Mehrteiler verlangen ein hohes Maß an Arbeit von ihrem Erschaffer. Es muss nicht nur eine Figur und eine Storyline über einen einzigen Band, sondern über mehrere (evtl. sogar dutzende) oder im Fall von Fernsehserien hunderte Folgen gespannt werden, jede so sorgfältig geplant und ausgeführt wie bei einem Einzelroman. Serien brauchen multiple Konflikte, viele Ideen und facettenreiche Charaktere, die immer wieder überraschen.
Wenn Deiner Einer daran denkt, wie viel Arbeit ein einziger Roman ist, so kann der Gedanke an eine ganze Reihe von Bänden erschreckend sein. Arthur Conan Doyle wollte seine Figur Sherlock Homes loswerden, um Zeit für seine historischen Romane und Abhandlungen zu haben, die in seinen Augen mehr wert waren, als seine Detektivgeschichten. Eine Serie wird einen Autor über Jahre beanspruchen.
Auf der anderen Seite bedeutet das Kreieren einer Serie aber auch, dass nach einer Weile – wenn die anfängliche Planerei und das Weltenerschaffen erledigt wurde – das Schreiben immer leichter fallen kann und die einzelnen Bände relativ schnell herunter geschrieben werden können, weil die Welt und ihre Figuren bereits vertraut sind.

Die Reaktionen und das Feedback der Leser und Fans einer Serie können einen Autor während des langen Schreibprozesses bei der Stange halten und ihm sogar neue Ideen und konstruktive Kritik bringen. Serienautoren erfahren, was gut ankommt und was Fans nicht mögen, und können im Gegensatz zum Einzelroman diese Erfahrungen in das Verfassen weiterer Bände einfließen lassen.

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Serie oder einen Mehrteiler zu schreiben, tut dies üblicherweise aus drei verschiedenen Gründen:

  1. Ein auf einen Einzelband geplanter Roman fühlt sich nach Abschluss noch nicht fertig an; Deiner Einer hat Ideen wie es weitergehen könnte und die Figuren lassen dir einfach keinen Frieden. Autoren können sich genau wie Fans in ihre Figuren regelrecht verlieben und sie gehen zu lassen, kann sehr schwer fallen. Manchmal hat ein Autor nach einem eigentlich bereits abgeschlossenen Roman noch so viel mehr Ideen, und die Geschichte lässt ihm einfach keine Ruhe, so dass er einfach weiter schreiben muss. Wenn die Leser das genauso sehen - umso besser.
  2. Deiner Einer plant von Anfang an, eine Trilogie, Serie oder einen Mehrteiler zu schreiben (noch bevor ein einziges Wort geschrieben worden ist.) Glückwunsch! Du hast die Möglichkeit, deine Serie zu planen und zu organisieren. Manchmal ist eine Idee einfach für eine Serie geeignet und manchen Autoren kommen beim Brainstorming automatisch multiple Storylines in den Sinn, die sich über eine mehrere Bände erstrecken könnten. Sie haben Anfang und Ende einer ganzen Serie im Sinn, mit Bänden dazwischen. Jetzt heißt es eine Outline der einzelnen Bände zu verfassen und den Ausgang festzulegen.
  3. Ein Verlag gibt eine Serie, Trilogie oder einen Mehrteiler in Auftrag. Die Autoren, die die einzelnen Bände schreiben sollen, werden vom Lektor ausgesucht und Plot und Storyline werden als Exposé vom Verlag an die Autoren herausgegeben. Die Koordination der ganzen Serie liegt in den Händen des Lektors, der häufig auch den Plot entworfen hat. Die engagierten Autoren haben bisweilen gar keinen Kontakt untereinander und jeder schreibt für sich, so z.B. bei großen Serien wie Star Treck, Star Wars oder Tie-ins von Computerspielen. Der Lektor schreibt die „Serienbibel“ und hält sie aktuell, so dass Hintergrundgeschichten, Charaktere, Spannungsbögen und Details konsistent bleiben und es liegt in seiner Verantwortung, die Kontinuität zu wahren. Bei anderen Serien schreiben die Autoren miteinander, Brainstormen gemeinsam, führen die Serienbibel selbst, mailen, chatten und tauschen ihr Geschriebenes aus, so dass sie untereinander abgleichen können.

In den nächsten Wochen gebe ich hier Tipps zum „Planen und Schreiben von Trilogien, Mehrteilern und Serien“, was vor allem Autoren der Kategorie 2 und 3 zu Gute kommen wird. Aber auch wenn Deiner Einer zu der Kategorie 1 gehört und bereits ein Buch geschrieben hat und jetzt mit dem Gedanken spielt, daraus weitere Bände zu machen, so wird es hier alles zum Planen und Organisieren eines solchen Projektes geben.
Doch zunächst einmal:







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